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Neu erschienen: Handbuch Anti-Aging und Prävention

"Altern ist kein Naturgesetz"

07.02.2008

Bildquelle: Verlag im Kilian
"Handbuch Anti-Aging & Prävention" heißt das neue über 500 Seiten starke Werk von Dr. Rüdiger Schmitt und Simone Homm, das sich sowohl an interessierte Laien als auch an die Fachwelt richtet. Der 46-jährige Physiologe und Gerontologe und die 36-jährige Ärztin haben eine der umfassendsten Publikationen zum Thema Altern geschrieben, die es auf dem internationalen Buchmarkt gibt.

Das Werk, das im VERLAG im KILIAN erschienen ist, hat mit den üblichen Ratgeber-Büchern wenig gemein. Die Autoren verzichten auf unrealistische Versprechungen und einfache "Ewig-Jung-Rezepte". Stattdessen geben sie ihren Lesern faszinierende Einblicke in die Forschungswelt der Alternswissenschaft, aus denen sich dann konkrete Verhaltens- und Vorsorgestrategien für jeden Einzelnen ableiten lassen. Im Interview erläutern Homm und Schmitt, warum es an der Zeit ist, dass sich Öffentlichkeit und Fachwelt endlich ernsthaft mit "Anti-Aging und Prävention" beschäftigen.

Frage: Sie schreiben in Ihrem neuen Buch "Anti-Aging & Prävention", dass das Altern nicht nur hinausgezögert werden kann, sondern dass sich der Alterungsprozess in Teilen stoppen oder sogar umkehren lässt. Was halten Sie denen entgegen, die das für leere Versprechungen oder Scharlatanerie halten?

Dr. Rüdiger Schmitt: Diese Vorurteile und die grundsätzliche Ablehnung haben zwei Ursachen. Zum einen hält sich noch immer die Vorstellung, Altern sei ein festgelegtes Naturgesetz, das nicht beeinflussbar ist. Diese Denkweise hat ihre Wurzeln in religiösen und philosophischen Traditionen. Mit Hilfe heutiger biologischer Erkenntnisse lässt sich diese Fehleinschätzung jedoch klar widerlegen. Wir haben dieses wichtige Grundsatzthema im Buch sehr ausführlich behandelt. Zum anderen darf man nicht vergessen, dass bisheriges Anti-Aging mangels ausreichenden Wissens oft mehr einem Stochern im Nebel geglichen hat als gezielter und damit wirksamer Intervention. Diese Situation hat sich in den letzten 15 Jahren grundlegend geändert.

Frage: Wann und wie haben Sie beide persönlich das Thema Alternsintervention für sich entdeckt?

Simone Homm: Spät. Als Ärztin ist man so mit der Krankheitsbehandlung und der damit zusammenhängenden Forschung beschäftigt, dass kaum Zeit bleibt, über den Tellerrand zu blicken. Als ich mich zufällig eines Tages gezielt mit der Krankheitsentstehung und degenerativen Abbauprozessen beschäftigte, war ich erstaunt, wie viele Forschungsdaten bereits verfügbar sind. Die bisherigen Präventionsempfehlungen - sich ausgewogen zu ernähren, nicht zu rauchen und Sport zu treiben - sind zwar nicht falsch, aber nur ein allgemeiner Unterbau der Fülle von Interventionen, die inzwischen möglich sind.

Dr. Rüdiger Schmitt: Die Ursachen physiologischer Leistungskurven im Lebensverlauf haben mich schon immer besonders interessiert. Von da ist es dann nur ein kurzer Weg zur Krankheitsentstehung und zugrunde liegenden Alternsmechanismen.

Frage: Ein Begriff taucht in Ihrem Buch an prominenter Stelle immer wieder auf: "Kalorische Restriktion" scheint der Schlüssel zum Jungbleiben zu sein. Was heißt das und warum ist das so?

Dr. Rüdiger Schmitt: Neben den Genen bestimmt nichts die Geschwindigkeit der meisten Alterungsprozesse so unmittelbar und gleichzeitig so komplex wie der Prozess der Nahrungsverwertung: die Entstehung von zellschädigenden Radikalen, die Verfügbarkeit von antioxidativ wirkenden Schutzstoffen bis hin zu Hormonverläufen und Hormonwirkungen. Jede Mahlzeit, die wir zu uns nehmen, hinterlässt ihren Fingerabdruck nicht etwa nur auf unseren Speckpolstern, sondern generell im Zellbereich überall im Körper.

Simone Homm: Aber Vorsicht! Hungern oder Reduktionsdiäten können genau das Gegenteil bewirken und Alterungsprozesse beschleunigen. Aus leidvoller Erfahrung im Kampf gegen Fettpolster weiß ich, wovon ich rede. Eine reduzierte Kaloriendichte der Ernährung wirkt nur bei hoher Nährstoffzufuhr hemmend auf Alternsprozesse. Das bedeutet, nicht die einfache Reduktion von zwei Knödeln auf einen ist die Lösung, sondern der Austausch des zweiten Knödels durch ein komplexes Angebot von Gemüse, Salat und Obst. Gezielte Nahrungsergänzungen durch Vitalstoffe können darüber hinaus helfen, wirklich optimierte Zellschutzwirkungen zu erzielen.

Frage: Sie empfehlen die Einnahme von Vitaminen, Hormonen, Antioxidantien und anderen Nahrungsergänzungsmitteln. Was entgegnen Sie Ernährungswissenschaftlern, die solche Präparate für weniger wirksam halten als die "natürlichen" Vitalstoffe in Obst und Gemüse?

Dr. Rüdiger Schmitt: Das muss kein Widerspruch sein. Wir plädieren sogar sehr dafür, Vitalstoffe in natürlicher Form und Zusammensetzung und mit den natürlichen Begleitstoffen zu sich zu nehmen. In der Alltagspraxis sind aber fünf Gemüse- und Obstmahlzeiten pro Tag nicht immer einzuhalten. Nicht alle Böden enthalten das Spurenelement Selen ausreichend. Zwei bis drei Mahlzeiten mit fettem Fisch pro Woche wären sinnvoll, sind aber nicht jedermanns Sache. Diese Liste ließe sich fortsetzen.

Simone Homm: Es wäre im Übrigen wichtig, wenn Appelle zu natürlichen Ansätzen endlich auch im Hormonbereich gemacht würden. Körperidentische Hormone wirken zum Teil völlig anders als die künstlich produzierten Hormonpräparate, die auch uns Ärzten bisher unter dem irreführenden Etikett einer Hormonersatztherapie empfohlen wurden. Die Unterstützung und individuelle Optimierung des körpereigenen Hormonkonzerts durch körperidentische Hormone ist dagegen eine der wichtigsten präventiven Säulen und eine Versicherung für ein langes  u n d  gesundes selbstbestimmtes Leben.

Frage: Sie vertreten in Ihrem Buch die Position, dass die Medizin in den westlichen Industrieländern einen falschen Weg geht, weil sie sich auf die Behandlung von Krankheiten, statt auf ihre mögliche Vermeidung fokussiert. Was sollte sich aus Ihrer Sicht konkret verändern? Wo sehen Sie den dringendsten Handlungsbedarf?

Simone Homm: Das ist keine Frage von entweder oder. Wir werden aufgrund der Bevölkerungsentwicklung in Zukunft sogar noch weitaus mehr Ressourcen für die reparative Medizin benötigen. Das wird aber nur möglich sein, wenn wir gleichzeitig die Potenziale im Präventivbereich voll ausschöpfen und damit Entlastungen erzielen.

Dr. Rüdiger Schmitt: Der Urmensch war von der Natur biologisch nicht dafür konzipiert, 100 Jahre alt zu werden und gesund zu bleiben. Bis zum mittleren Lebensalter betreibt unser Organismus einen hohen Schutzaufwand, dann läuft dieser Schutz aus. Unsere Aufgabe ist es nun, den Staffelstab zu übernehmen und unseren Körper beim Kampf gegen degeneratives Altern zu unterstützen. Dank der heutigen Erkenntnisse ist das erstmals in der Menschheitsgeschichte effizient möglich. Wir sollten die Chance nutzen.

Quelle: dgk


Bildquelle: Verlag im Kilian
Handbuch Anti-Aging & Prävention
Rüdiger Schmitt und Simone Homm
 VERLAG im KILIAN, Marburg
(Broschur - Jänner 2008), 542 Seiten

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