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Wenn nachts die Hände einschlafen ...

Karpaltunnelsyndrom als mögliche Ursache abklären

15.09.2009


Wann haben Sie zuletzt Ihre Hände betrachtet? Sie sind unsere Greiforgane, mit denen wir gestikulieren, kommunizieren und unsere Umwelt erkunden können. Mit ihnen tasten, empfinden, begreifen und streicheln wir mal zart und wenn nötig packen wir auch mal kräftig zu. Viele kleine Gelenke ermöglichen der Hand diese große Geschicklichkeit. Dem Daumen fällt dabei eine besondere Position zu. Er ist der wichtigste Finger und erweitert die Funktionen der Hand entscheidend. Sehnen, Muskeln und Bänder unterstützen die Beweglichkeit und Stabilität. Die in der Hand verlaufenden Nerven sind einerseits zuständig für Empfindungen, andererseits leiten diese auch Impulse vom Gehirn zum Muskel und aktivieren so die Bewegung. Kaum verwunderlich, dass die Hand aufgrund ihrer Komplexität und der engen Lage der Nerven zu anderen anatomischen Strukturen anfällig ist für Erkrankungen. Das Karpaltunnelsyndrom ist ein Beispiel dafür.

Karpaltunnelsyndrom - was ist das?

"Als Karpaltunnel wird ein Kanal in Höhe der Handwurzelregion bezeichnet, der zum Handrücken und jeweils seitlich von den Handwurzelknochen und zur Handinnenfläche von einem ca. anderthalb bis zwei Zentimeter dicken bindegewebigen Dach - dem so genannten Retinaculum flexorum - begrenzt ist", erklärt der Handchirurg Dr. Elmar Kreisel, aus dem St. Marien-Hospital Mülheim an der Ruhr - einem Haus der Contilia Gruppe. "Durch diesen Tunnel ziehen Beugesehnen und ein wichtiger Nerv - der Nervus medianus - vom Unterarm zu den Fingern. Der Nerv versorgt vorrangig Zeige-, Mittel- und Ringfinger und Daumen. Durch Schwellung des Sehnengleitgewebes bei verschleißbedingten, rheumatischen, hormonellen und stoffwechselbedingten Erkrankungen verengt sich das Volumen innerhalb des Tunnels. Es kommt zum Druck auf den Nerv, was zur Folge hat, dass dieser abgedrückt wird. Auch in der Schwangerschaft oder belastungsbedingt kann es zu einer Minderdurchblutung des Nervus medianus und den typischen Beschwerden des Karpaltunnelsyndroms kommen. Ebenso können Unfälle und Tumore den Nerven schädigen."

Rund zehn Prozent der Bevölkerung, vor allem 40- bis 70-jährige, leiden an diesem Syndrom, Frauen drei bis viermal häufiger als Männer. Außerdem sind mehr Übergewichtige als Normalgewichtige betroffen. In etwa 80 Prozent aller Fälle treten die Beschwerden beidhändig auf, wobei die Symptome zumeist an der vorrangig benutzten Hand stärker sind. Das Karpaltunnelsyndrom tritt vermehrt in Berufsgruppen auf, die oft ein und dieselbe Handbewegung durchführen müssen oder bei denen es zu häufiger Druckeinwirkung auf die Innenhand kommt - wie beispielsweise bei Handwerkern, Bäckern, Köchen und Raumpflegepersonal. Aber auch manuelle Überbelastung, durch schwere Gartenarbeit, Hausbau, Renovierung oder intensives Arbeiten am PC und Radfahren können dazu führen.

Taube Finger

Dr. Kreisel: "Ein typisches Erstsymptom ist das Einschlafen der Hände in der Nacht, bei Tätigkeiten wie Zeitung lesen, Telefonieren oder Stricken. Die häufig nadelstichartigen Missempfindungen sind anfangs vorübergehend und betreffen zunächst den mittleren Finger, später auch den Daumen- und Zeigefinger mit Schmerzausstrahlung in den gesamten Arm. Sie lassen sich in diesem Stadium durch Ausschütteln, Reiben und Stellungsänderung der Hand sowie durch Pumpbewegungen der Finger lindern oder beseitigen. Im weiteren Verlauf der Erkrankung kann die Missempfindung dauerhaft anhalten und es kommt zu Ausfallserscheinungen des Nervus medianus mit anhaltender Taubheit an Teilen des Daumens, Zeige-, Mittel- und Ringfingers. Die Betroffenen sind vielfach auch nicht mehr in der Lage, Kälte und Wärme zu unterscheiden. Das Spätstadium ist durch eine dauerhafte Schädigung des Nerven mit Bewegungseinschränkungen des Daumens gekennzeichnet. Die Daumenmuskulatur bildet sich zurück."

Bei einer rechtzeitigen Therapie sind die Beschwerden wieder komplett rückläufig. Daher ist eine frühzeitige und gründliche klinische Untersuchung zur Sicherung der Diagnose, zur Dokumentation der Schwere der Erkrankung und zum Ausschluss von Erkrankungen, die ähnliche Beschwerden auslösen können - z.B. eine Nervenwurzelreizung der Halswirbelsäule durch Bandscheibenschaden - unbedingt erforderlich. Zur Diagnostik gehören in erster Linie die genaue Untersuchung der Daumenballenmuskulatur sowie die Prüfung der Oberflächensensibilität der Finger und der Beweglichkeit des Daumens. "Spezielle Tests, im Frühstadium der Erkrankung durchgeführt, ergeben wichtige Hinweise auf den Reizzustand des Nerven", erklärt Dr. Kreisel. "Zum Nachweis eines Karpaltunnelsyndroms ist die Untersuchung der elektrischen Leitung des Nervus medianus oder auch weiterer Nerven dringend erforderlich. Sie gibt zuverlässig Auskunft über den Ort und das Ausmaß der Nervenschädigung."

Gipsschiene oder Operation

Treten länger anhaltende Reizsymptome des Nerven auf und liegen schlechte Messwertergebnisse vor, dann muss umgehend eine Therapie erfolgen. Eine für ca. drei Wochen in der Nacht angelegte spezielle Handgelenksschiene oder das einmalige Spritzen eines entzündungshemmenden Medikamentes direkt in den Karpaltunnel kann manchmal schon für Besserung sorgen. Eine operative Therapie ist bei erfolglosen konservativen Therapieversuchen aber unumgänglich. Der Eingriff wird in der Regel ambulant, in Lokalanästhesie, Leitungsanästhesie des Armes oder in kurzer Allgemeinnarkose durchgeführt. In gleicher Sitzung können mögliche Begleiterkrankungen beseitigt werden. "Während des operativen Eingriffes wird das bindegewebige Dach des Tunnels vollständig gespalten, was zu einer sofortigen Druckentlastung des Nervus medianus führt", erklärt Dr. Kreisel. "Die Operation kann sowohl offen chirurgisch, als auch endoskopisch - umgangssprachlich auch Schlüsselloch-OP genannt - durchgeführt werden. Häufiger angewendet wird nach wie vor aber die offene Operation mittels kurzem Hautschnitt." Die Operationsergebnisse sind bei beiden Verfahren vergleichbar. Nach einem endoskopischen Eingriff kann die Hand möglicherweise früher belastet werden. Bei begleitenden rheumatischer Gelenkentzündungen, Infektionen, Handschwellungen sowie bei allen Revisionseingriffen darf diese Operationstechnik allerdings nicht angewendet werden.

Gute Prognose

Die Finger können bereits am ersten Tag nach der Operation bei hoch gelagertem Arm bewegt werden. Das Handgelenk wird durch einen leicht gepolsterten Verband oder sogar durch eine Handgelenksschiene für ungefähr eine Woche geschont. Der Operierte ist für zwei bis vier Wochen arbeitsunfähig. Dr. Kreisel: "Die Prognose des Karpaltunnelsyndroms ist bei rechtzeitiger Diagnose und frühzeitiger Therapie gut. In der Regel beseitigt die Operation die Beschwerden dauerhaft. Länger bestandene Sensibilitätsstörungen und muskuläre Ausfälle bilden sich aber erst nach einigen Wochen oder Monaten zurück. Zu einem erneuten Auftreten der Erkrankung kommt es äußerst selten. Für den unwahrscheinlichen Fall, dass die Symptome des Karpaltunnelsyndroms nach der Operation bleiben, zunehmen oder die elektrophysiologischen Messwerte sich verschlechtern, kann ein weiterer Eingriff erforderlich werden."

Quelle: EKE

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