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Dick sein muss nicht Krankheit bedeuten

In Polynesien gilt jemand der dick ist als wohlhabend

28.09.2005

Der jüngste Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) über die steigende Fettleibigkeit der Erdbewohner hat besonders die Polynesier in ein schlechtes Licht gerückt. Neun von zehn Tonganischen Männern sind demnach fettleibig. Der Mediziner und Fachbuchautor Christian Lehner kritisiert an dieser Untersuchung den fehlenden kulturellen Hintergrund. "Fettleibigkeit bedeutet in Polynesien nicht Krankheit, sondern großen Einfluss und Reichtum", erklärt Lehner. Fettleibigkeit als Krankheitsbild gibt es nicht, krank sei der, der so mager ist, dass man seine Knochen sieht.

"Die meisten Untersuchungen zur Fettleibigkeit sind von den USA ausgegangen", kritisiert Lehner. Dass eine Veränderung der Mahlzeiten wie sie von Exil-Polynesiern in Australien, Neuseeland oder in den USA betrieben wird, problematisch ist, streitet der Mediziner nicht ab. Der zunehmende Konsum von gesüßten Getränken, Dosenfleisch und der Tabakkonsum geht mit verheerenden Folgen für die Gesundheit einher. Ähnliche Phänomene sind auch bei Indianern in den USA aufgetreten.

"Jemand, der dick ist, gilt in Samoa oder Tonga aber nicht als krank, sondern als angesehen, weil er Nahrung von anderen als Geschenk bekommt", erklärt Lehner. Generell sei das Nahrungsaufteilungssystem auf den Inseln anders als in Europa: Die Polynesier haben nie auf Vorrat gesetzt, da alle Nahrungsmittel wie Fisch, Obst und Gemüse täglich frisch waren und in der Dorfgemeinschaft aufgeteilt wurden. Mit Einführung der Zahlungsmittel habe sich das geändert. "Cola und Eis haben plötzlich zu unbekannten Erkrankungen wie Karies geführt", so Lehner.

"Traditionelle samoanische Heiler behandeln keine Krankheiten, die nicht-samoanisch sind. Dazu gehören zum Beispiel Diabetes, Syphilis und TBC", erklärt der Mediziner, der mehrere Jahre auf Samoa verbrachte und ein Buch über die traditionelle Medizin geschrieben hat. Sie lehnen solche Erkrankungen ab, weil sie nicht in Samoa entstanden sind. "Alles deutet darauf hin, dass sie von Palangis, so nennen Samoaner die Weißen, nach Samoa gekommen sind", erklärt Lehner. Damit verbunden war auch die neue, westliche Definition des Terminus "Gesundheit": Gesund war, wer arbeitsfähig war. "Am Sklavenmarkt hatten Käufer den Schweiß der Sklaven gerochen, damit sie sicher sein konnten, dass es sich nicht um Diabetiker handelt", so Lehner.

Dass Fettleibigkeit automatisch heisst, dass man nicht alt wird, hält Lehner für Unsinn. Der Dickste war immer der Chef - ein Beispiel dafür ist der König von Tonga, Taufa'ahau Tupou der Vierte. Dieser Monarch hat allerdings in den vergangenen Jahrzehnten in einem Sport- und Fitnessprogramm, das auch die Untergebenen zur körperlichen Ertüchtigung ermutigen sollte, zig Kilo abgespeckt. Inzwischen ist der König 87 Jahre alt.

Dass nicht nur auf den Inseln Polynesiens die Lebenslust und der Genuss groß geschrieben wird, hat auch eine Studie des National Cancer Institute Anfang des Jahres gezeigt: Moderates Übergewicht wirke sich lebensverlängernd aus, während konstantes Untergewicht - das nicht durch Krankheit ausgelöst werde - als Risikofaktor für vorzeitiges Ableben ermittelt wurde. Na wenn das keine guten Nachrichten vor dem Essen sind ... ;-)

Quelle: pte

 

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