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Brustschmerzen : Nicht immer ist es das Herz

Bei unklaren Brustschmerzen sicherheitshalber den Notarzt rufen

26.07.2007

Beim Aufwachen verspürt Klaus plötzlich einen stechenden Schmerz in der Brust, der bis in die linke Schulter ausstrahlt. Der 53-Jährige gerät in Panik und sein Herz beginnt zu rasen. "Ein Herzinfarkt", schießt es ihm sofort durch den Kopf. Dann beruhigt er sich selbst damit, dass er es vermutlich gestern beim Sport nur ein wenig übertrieben hat und die Schmerzen wahrscheinlich nach einem heißen Bad verschwinden werden. Seine Frau sieht das nicht so gelassen. Sie drängt ihren Mann zu der einzig richtigen Verhaltensweise bei unklaren Brustschmerzen: Den Notarzt zu rufen.

"Es gibt tatsächlich zahlreiche Ursachen, die für einen plötzlich auftretenden Schmerz im Brustraum verantwortlich sein können", erklärt Prof. Dr. Georg V. Sabin, Direktor der Klinik für Kardiologie und Angiologie am Elisabeth-Krankenhaus Essen. "Im Thoraxbereich müssen sich das Herz samt der großen Arterien und Venen, die Lunge, die Rippen und viele Muskeln den Platz teilen. Zudem sind Herz und Lunge ständig in Bewegung. Die möglichen Gründe für Schmerzen sind daher vielschichtig. Akute lebensbedrohliche Erkrankungen, die mit einer Schmerzsymptomatik einhergehen, sind neben Infarkt und akutem Koronarsyndrom auch die Lungenembolie oder eine Aortendissektion - eine Aufspaltung der Wandschichten der Hauptschlagader. Viele Beschwerden lassen sich auch auf Wirbelsäulensyndrome oder Muskelverspannungen zurückführen. Gelegentlich schnüren auch seelische Belastungen die Brust zusammen. Aus der täglichen Praxis wissen wir, dass nur ein Bruchteil der Brustschmerzpatienten an einer kardialen Erkrankung leidet. Trotzdem sollte man Schmerzen im Thoraxbereich immer ernst nehmen und den Weg in die Notaufnahme nicht scheuen, denn Herz-Kreislauferkrankungen sind noch immer die häufigste Todesursache."

Schnell auf den richtigen Behandlungspfad führen

Ein hohes Risiko für einen Herzinfarkt und somit die höchste Alarmstufe besteht, wenn der Brustschmerz als Druck oder ein heftiges Engegefühl beschrieben wird, länger als fünf Minuten anhält, in andere Körperteile ausstrahlt oder wenn er von Übelkeit, Schwindel, Erbrechen und Schwitzen begleitet wird. Allerdings lässt sich nur aufgrund von reiner Schmerzanamnese keine sichere Diagnose stellen. Weitere Untersuchungen sind notwendig.

Innerhalb von zwei Stunden

Mit einem Elektrokardiogramm und dem Nachweis des Moleküls Troponin im Blut kann der Kardiologe schnell abklären, ob eines der Herzkranzgefäße verschlossen ist, also ein Infarkt vorliegt. Der Herzultraschall gibt Auskunft über Struktur von Herzwänden und -klappen, deren Bewegungsabläufe sowie die Auswurfleistung des Organs. Falls erforderlich, kann im Krankenhaus eine Darstellung der Herzkranzgefäße mittels Coronarangiographie sogar ambulant durchgeführt werden. Um eine Aortendissektion, eine Myokarditis oder eine Lungenembolie auszuschließen, steht ein Magnetresonanztomograph bereit. "Bei entsprechender Indikation ist es möglich, die Blockade im Herzkranzgefäß mit einem Ballonkatheter aufzudehnen und mit einem so genannten Stent abzustützen. Ist eine solche Dilatationsbehandlunginnerhalb von zwei Stunden nach dem Infarkt möglich, bestehen für den Patienten die besten Überlebenschancen. Leider ist nicht überall innerhalb von ein bis zwei Stunden ein Herzkatheterlabor erreichbar - in der Nähe einer Großstadt ist das eher wahrscheinlich als auf dem Land. Aber selbst wenn ein Katheterlabor zur Verfügung steht, muss darüber hinaus noch gewährleistet sein, dass es für eine solche Notfallbehandlung auch geeignet ist (24-Stunden-Bereitschaftsdienst, Ärzte mit ausreichender Erfahrung).

Bei Klaus ist zum Glück keine Herzkatheterbehandlung notwendig. Nach einigen Untersuchungen konnten die Kardiologen Entwarnung gegeben. Mit seinem Herzen ist alles in Ordnung und auch sonst liegen keine lebensbedrohlichen Erkrankungen vor. Der Brustschmerz ist bei ihm auf eine Nerveneinklemmung zurückzuführen. Mit dieser Wirbelsäulenproblematik wird Klaus in den nächsten Tagen eine orthopädische Praxis aufsuchen. Trotzdem ist er froh, dass er den Ratschlag seiner Frau befolgt hat und seine unklaren Brustschmerzen von einem Expertenteam hat abklären lassen.

Quelle: EKE

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