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Bioresonanztherapie im Test

Haarsträubende Diagnosen und dubiose Geschäfte

22.02.2006

Die Bioresonanztherapie (BRT) ist umstritten. Weder gibt es wissenschaftliche Belege für ihre Wirksamkeit, noch können die angeblich existierenden "Schwingungen des Körpers" von einem anerkannten Messgerät erfasst werden. Trotzdem suchen immer mehr Patienten Zuflucht bei alternativen Heilmethoden, und immer mehr Ärzte bieten diese auch an.

Was passiert, wenn ein gesunder Mensch zum Arzt geht um behaupteten Schlafstörungen mittels Bioresonanz zu Leibe zu rücken? Das Testmagazin "Konsument" ging dieser Frage nach und schickte eine völlig gesunde junge Frau zu elf Wiener praktischen Ärzten, die Bioresonanztherapie anbieten.

Das überraschende "Konsument"-Testergebnis: "Haarsträubende Diagnosen und seltsame Therapien sind bei unserem Test keine Einzelfälle, sondern die Regel", informiert Ing. Franz Floss, Geschäftsführer für die Bereiche Untersuchungen und Publikationen beim Verein für Konsumenteninformation (VKI) und erstellt für die Bioresonanztherapie folgende Diagnose: "Zur Untersuchung und Behandlung von Symptomen ist diese alternative Heilmethode nicht geeignet". Floss fordert aufgrund des bedenklichen Testergebnisses auch mehr Kontrollen für die Einhaltung von Qualitätsstandards bei Ärzten.

Elf Ärzte im Test

Elf Mediziner wurden nach dem Zufallsprinzip aus einer Liste von Ärzten ausgewählt, die nach Angaben der Wiener Internationalen Akademie für Ganzheitsmedizin mit BRT praktizieren. Die 31-jährige Versuchsperson ließ vor Testbeginn einen Rundum-Gesundheitscheck beim Hausarzt vornehmen. Neben einer klinischen Untersuchung wurden dabei alle wichtigen Blutwerte überprüft und ein Blutbild erstellt. Dabei zeigten sich keinerlei Auffälligkeiten. Nach derzeitigem medizinischen Wissen war die Testerin zu Beginn der Testreihe völlig gesund. Bei den Arztbesuchen legte die Testperson die Untersuchungsergebnisse vor. Sie klagte über chronische Müdigkeit, gab an, dass sie das Gefühl habe, nicht sehr tief zu schlafen und erwäge Schlafmittel einzunehmen. Und: Die Testperson ersuchte ausdrücklich um eine Bioresonanztherapie.

Bei den geschilderten Symptomen sollte ein Arzt folgendermaßen vorgehen: Zuerst erkundigt er sich über die Beschwerden seiner Patientin und begutachtet die mitgebrachten Befunde. Danach sollten eine vollständige körperliche Untersuchung, Fragen zur Schlafgewohnheit und darauf aufbauend Empfehlungen zur Schlafhygiene folgen. Der Arzt muss seine Patientin zudem darüber informieren, dass es sich bei BRT um keine schulmedizinische Methode handelt und sie daher auch über Nutzen und Risiken der Therapie aufklären. Erst nach dem Einverständnis der Patientin darf der Arzt seine Behandlung beginnen.

Kuriose Diagnosen

Drei Ärzte führten ein Beratungsgespräch ohne BRT. Fünf Mediziner wendeten eine Bioresonanz- oder ähnliche Therapie an, bei drei Testkandidaten kamen ganz andere Heilmethoden - nämlich Laserakupunktur, Kinesiologie und Homöopathie - zum Einsatz. Die vorärztlichen Befunde der Versuchsperson blieben meist unbeachtet. Nur ein Arzt klärte ausführlich über die Therapie auf und erläuterte, dass die Wirkung von BRT wissenschaftlich nicht nachweisbar sei.

Die Diagnosen der Ärzte fallen recht unterschiedlich aus und klingen unglaublich: Einen gestörten Energiehaushalt, Goldmangel, falsche Schwingungen im Körper, eine schwere virusbedingte Vergiftung, einen Mangel der Knochen oder eine erhebliche Quecksilberbelastung durch Amalgamfüllungen - diese skurrilen Krankheitsursachen vermuteten die Mediziner bei der "Konsument"-Testerin. Andere konstatierten, dass der Darm bzw. überhaupt der komplette Verdauungstrakt der Patientin - wie ein Arzt etwa anhand "den glänzenden Augen und den fettigen Haaren" erkannte - voller Gase und verfaulender Substanzen sei. Auch Narbenstörungen wurden von mehreren Medizinern als Auslöser für die geschilderten Symptome angegeben - obwohl die Narben im Rahmen des Tests mehrfach entstört wurden. Ein anderer Arzt wiederum konnte sich vorstellen, dass die Patientin möglicherweise von Ahnen besetzt sei.

Nur eine Ärztin kommt zu dem Ergebnis, dass die Testerin völlig gesund ist. Sie rät trotzdem zur Behandlung der geschilderten Symptome mittels Homöopathie.

Neben der BRT beziehungsweise anderen alternativen Heilmethoden verordneten die Ärzte weitere Therapien. "Konsument"-Gesundheitsexpertin Dr. Bärbel Klepp stellt fest: "Die Testperson erhielt fragwürdig erscheinende Substanzen wie ‚Virustropfen’, ‚Bioresonanztropfen’ als Ersatz für Bioresonanzsitzungen oder ‚Energiefläschchen, die sie täglich je zwei Stunden in der linken beziehungsweise rechten Hosentasche tragen sollte." Ebenso wurden homöopathische Mittel sowie Nahrungsergänzungsmittel empfohlen und verkauft.

Dubiose Geschäfte

Die Kosten belaufen sich auf rund 50 bis 70 Euro pro Behandlung, nachfolgende Sitzungen - die von fast allen Ärzten angekündigt wurden -  schlagen mit bis zu 250 Euro zu Buche. Einige Beratungen wurden gratis angeboten. Doch Klepp warnt: "Vorsicht bei Ärzten, die stundenlang gratis ‚beraten’. Dabei handelt es sich in der Regel um Verkaufsgespräche zur Geschäftsanbahnung für teilweise überteuerte und nutzlose Zusatzpräparate oder Nahrungsergänzungsmittel". So bekam die Testerin nach einer kostenlosen Beratung das Nahrungsergänzungsmittel "Juice Plus" um 55 Euro aufgedrängt, das praktischerweise in der Ordination verkauft wird - mit 35-prozentiger Gewinnspanne.

Da die Bioresonanz keine anerkannte Therapie ist, werden die Kosten von den Krankenkassen nicht übernommen. Manche Ärzte beweisen jedoch Einfallsreichtum und bieten ihren Patienten gleich die passende Lösung an: Ein Mediziner stellte drei Rechnungen für schulmedizinische Ordinationen aus und empfahl der Testerin, die Rechnung bei der Krankenkasse einzureichen. Eine Ärztin schlug vor, auf der Rechnung statt "Bioresonanz" lieber eine Diagnose zu vermerken, damit die Patientin das Geld von ihrer Krankenkasse zurückerstattet bekommt. Die Assistentin eines Arztes wies nach der Behandlung darauf hin, dass der vereinbarte Preis für die Therapie nur ohne Rechnungsausstellung gilt, sonst käme noch die Mehrwertsteuer hinzu.

Fazit: Hände weg!

Bislang sind keine Nebenwirkungen der BRT bekannt. "Die Bioresonanztherapie ist ungefährlich, so lange keine schulmedizinischen Untersuchungen und Behandlungen verabsäumt werden", informiert Klepp.
Wie der "Konsument"-Test jedoch beweist, ist die BRT eine ungeeignete Diagnosemethode und die Therapievorschläge sind äußerst seltsam. "Wer sich der Bioresonanztherapie anvertraut, dem wird bestenfalls viel Geld aus der Tasche gezogen. Im schlimmsten Fall wird jedoch ein böses Spiel mit verzweifelten Menschen getrieben, die jenseits der Schulmedizin Heilung suchen", kritisiert Floss und rät daher "Hände weg von dieser Therapie!"

Wer sich für alternative Heilmethoden interessiert, wählt am besten solche Ärzte aus, die über ein Diplom der Österreichischen Ärztekammer (ÖAK) verfügen. Die Standesvertretung der Ärzte veranstaltet regelmäßig selbst Fortbildungsseminare und verleiht ÖAK-Diplome auch für alternativmedizinische Behandlungsmethoden wie beispielsweise Homöopathie oder Akupunktur. "Patienten können sich damit darauf verlassen, dass die Ärzte durch die Zusatzausbildung zumindest gewisse Qualitätskriterien erfüllen", erklärt Klepp. Bei BRT entsprechen weder Ausbildung, Methode und Leistungen, noch die Geräte selbst Qualitätsstandards. Ärzte, die Bioresonanztherapie anbieten, werden oftmals von den Geräteherstellern eingeschult.


Bioresonanztherapie: Was dahinter steckt

Die Bioresonanztherapie wurde 1977 gemeinsam von dem deutschen Arzt Franz Morell und dem Ingenieur Reinhard Voll entwickelt und wird sowohl zur Diagnose als auch zur Therapie eingesetzt. Das Konzept beruht auf der Annahme, dass der menschliche Körper ein komplexes Schwingungssystem darstellt. Demnach erzeugen alle Lebensvorgänge eine "Bioenergie" in Form von elektrischen Signalen. Gesunde Menschen sollten harmonische elektromagnetische Schwingungen erzeugen. Gesundheitliche Störungen oder kranke Organe sollten sich durch Disharmonien der Schwingungszustände bemerkbar machen (Diagnose).

Während der Behandlung werden die Schwingungen über am Körper angebrachte Elektroden in ein Bioresonanzgerät geleitet. Der Apparat soll gesunde von krankhaften Signalen trennen. Die gesunden Schwingungen werden verstärkt, die krank machenden nach Darstellung der Erfinder geschwächt beziehungsweise gelöscht (Therapie).

Anschließend werden die gereinigten Schwingungen dem Patienten wieder zugeführt. Die Behandlung ist schmerzfrei, Nebenwirkungen sind bislang nicht bekannt.

Quelle: VKI

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