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Aut idem aus Sicht der Apotheker und Ärzte

Wie es funktioniert und was sich für die Patienten ändert


21.05.2008

Aut idem ist eine neue Form der Medikamentenabgabe, die in 17 Ländern der EU bereits Realität ist. Laut aktueller Gesundheitsreform soll Aut idem ab dem Jahr 2010 auch in Österreich umgesetzt werden. Die Patienten erhalten mit ihrem Rezept entweder das aufgeschriebene Medikament oder ein wirkstoffgleiches Generikum in der Apotheke. Die Apothekerinnen und Apotheker spielen dabei eine tragende Rolle.

Seit zwei Wochen ist der Begriff "Aut idem" (auf Deutsch "oder das Gleiche") in aller Munde. Aut idem bedeutet, dass die Apotheker auf ein vom Arzt verschriebenes Medikament ein anderes, wirkstoffgleiches Arzneimittel abgeben können. Dabei handelt es sich um ein Arzneimittel, das sowohl vom Wirkstoff her als auch in seiner Wirkung gleichwertig ist. Diese Regelung wird für etwa 100 von insgesamt 1.000 Wirkstoffen gelten. Für diese 100 Wirkstoffe gibt es bereits Nachbauprodukte von Originalpräparaten, also so genannte Generika.

"Die Kunden bekommen bei Aut idem die beste medikamentöse Therapie. Heutzutage gibt es derart viele Medikamente mit demselben Wirkstoff, so dass wir in der Apotheke ein günstiges Präparat auswählen können", beteuert Mag.pharm. Heinrich Burggasser, Präsident der Österreichischen Apothekerkammer. Die universitäre Ausbildung der Apotheker umfasst alle Aspekte, die Arzneimittel betreffen. Niemand weiß besser über Arzneimittel bescheid als die Apothekerinnen und Apotheker. Sie beschäftigen sich tagtäglich in ihrer Tätigkeit an und hinter der Tara mit Arzneimitteln.


Die Eckpunkte der Aut idem-Regelung

  • Der Arzt verschreibt entsprechend der notwendigen Therapie entweder wie bisher ein konkretes Produkt (Medikamentenname) oder eben nur den Wirkstoff unter Angabe der Darreichungsform und der Dosierung.
  • Die Krankenkassen erstatten die Generika aus den jeweiligen Referenzgruppen innerhalb eines festgelegten Preisbandes.
  • Der Patient hat die Möglichkeit, auch Präparate außerhalb des Preisbandes zu beziehen, muss die Differenz zwischen Referenz- und Kassenverkaufspreis aber selbst tragen.
  • In begründeten Ausnahmefällen kann der Arzt die Aut idem-Regelung außer Kraft setzen.


Aut idem in Europa

Aut idem wird bereits in 17 Ländern der EU angewandt. In Deutschland ist die Generikaquote durch Aut idem im 1. Quartal 2008 auf mittlerweile 60 Prozent gestiegen, berichtete der Branchenverband Pro Generika Ende vergangener Woche. Österreich ist das 18. Land, in dem Aut idem eingeführt wird, um den Generikaanteil zu erhöhen. Der Generikaanteil in Österreich liegt bei rund 20 Prozent. Das Österreichische Bundesinstitut für Gesundheitswesen (ÖBIG) hat errechnet, dass Aut idem zu einem jährlichen Einsparungsvolumen von rund 35 Mio. Euro führt. "Wir Apotheker unterstützen Aut idem, weil es eine sinnvolle Art zu sparen ist, ohne dass eine Verschlechterung für die Patienten zu befürchten ist", zeigt sich Mag.pharm. Leopold Schmudermaier, Vizepräsident der Österreichischen Apothekerkammer, zuversichtlich.

Aut idem am Beispiel eines Lipidsenkers

Herr F. leidet an einem zu hohen Cholesterinspiegel. Sein Arzt verordnet ihm einen Lipidsenker mit dem Wirkstoff Simvastatin 20mg. Mit diesem Wirkstoff sind aktuell 22 unterschiedliche Präparate im Arzneimittelkodex gelistet. Sechs davon stehen kurz vor der Markteinführung. 14 Produkte tragen sogar denselben Namen, der mit dem Wirkstoffnamen ident ist: Sie heißen schlicht Simvastatin. Das Originalpräparat kostet pro Packung 23 Euro (30 Stück; Kassenpreis ohne MwSt., Grüne Box). Das billigste Generikum kostet 12,55 Euro (30 Stück), ist also pro Packung um satte 10,45  Euro - also fast die Hälfte - billiger.

"Für die Kunden wird sich durch Aut idem nicht viel ändern. Bereits heute kann es vorkommen, dass ein verschriebenes Produkt nicht abgegeben werden kann, weil es einfach nicht lieferbar ist. Damit der Kunde trotzdem unverzüglich seine Therapie beginnen kann, wird ein gleichwertiges Medikament nach Rücksprache mit dem Arzt abgegeben", erklärt Mag.pharm. Max Wellan, Mitglied des Präsidiums der Österreichischen Apothekerkammer.

In unserem aktuellen Fall erhält Herr F. einen Lipidsenker für seinen zu hohen Cholesterinspiegel. Dieser wird vom Apotheker aus einer Referenzgruppe ausgewählt, die sich an einem Referenzpreis orientiert. Sollte der Kunde das Präparat noch nicht kennen, informiert der Apotheker eingehend über den Einnahmemodus.

Beharrt Herr F. auf "seinem" Produkt, das er bisher bezogen hat, so darf der Apotheker das Wunschpräparat abgeben. Liegt dieses Wunschprodukt außerhalb des Preisbandes, zahlt Herr F. die Differenz selber auf. Liegt das Wunschpräparat innerhalb der Gruppe, muss nicht aufgezahlt werden.


Die Ärzte sehen die künftigen "Aut idem"-Regelungen etwas problematischer:"In neun von zehn Fällen ist es aus medizinischer Sicht kein Problem, wenn Generika anstatt von Originalpräparaten verschrieben werden", so Dr. Christoph Reisner, Präsident der Ärztekammer für Niederösterreich. "Unsere niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte unterliegen jedoch bereits sehr strengen Verschreibungsrichtlinien sowie einer Ökonomiekontrolle seitens der Gebietskrankenkasse und verordnen daher bereits fleißig so genannte Generika, die bei Wirkstoffen mit abgelaufenem Patentschutz erhältlich sind." Der Einsparungseffekt dürfte daher eher marginal sein. "Arzneimittelpreise werden in Österreich nicht ausverhandelt oder am Markt gebildet, sondern vom Hauptverband diktiert. Das führt dazu, dass nach Ablauf des Patentschutzes innerhalb weniger Monate kaum ein preislicher Unterschied zwischen Original und Generikum besteht. In einigen Fällen sind Generika sogar teurer als die Originale."

Der Medikamentenreferent der Ärztekammer für Niederösterreich, Dr. Wolfgang Geppert, kritisiert in diesem Zusammenhang die Vorgangsweise des Gesundheitsministeriums: "Es werden Einsparpotenziale durch eine Aut idem-Regelung in den Raum gestellt, die weder belegt noch nachvollziehbar sind. Uns liegen Daten vor, nachdem sich bei Ärzten mit höherem Verschreibungsanteil von Generika kein nachweisbarer Kostenvorteil ergibt." Dies liegt auch daran, dass sich Generika oft im niederpreisigen Bereich unterhalb der Rezeptgebühr befinden. Dr. Geppert fasst kurz zusammen: "Dort wo es geht, verschreiben unsere Ärztinnen und Ärzte ohnehin schon außerordentlich ökonomisch. In diesen Fällen wäre Aut idem aus medizinischer Sicht kein Problem, würde aber auch keine Kosten sparen."

Enorm seien jedoch lt. Ärztekammer die Probleme, die sich in Einzelfällen aus der Aut idem-Regelung ergeben können. Etwa wenn es sich um Unverträglichkeiten der Trägersubstanz handelt, die dem Apotheker nicht bekannt sind. Oder bei schwer kranken Menschen, die mit einer enormen Anzahl an Medikamenten leben müssen und von der Ärztin/dem Arzt auf die einzelnen Medikamente aufwändig eingestellt werden.

Ein weiteres Problem der Medikamentenverschreibung wird bei dieser Gesundheitsreform auch nicht zufriedenstellend gelöst: Dass ökonomische Verschreibung in Krankenhäusern nämlich noch lange ein Fremdwort bleiben wird, aber dass genau dort die Grundlagen für Folgemedikationen (überwiegend mit Originalpräparaten) gelegt werden. Erfahrungen aus dem benachbarten Ausland belegen übrigens, dass Aut idem bei weitem nicht das erhoffte Sparvolumen gebracht hat, berichtet die NÖ Ärztekammer.

Quelle: Österr. Apothekerkammer, NÖ Ärztekammer

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