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Arzt & Patient : Wer trifft leichter eine Entscheidung ?

Es ist leichter für jemand anderen entscheiden zu müssen

07.07.2006

Operation - ja oder nein? Diese Therapie - oder besser jene? Im Zuge von Behandlungen sind Patienten immer wieder mit schwierigen Entscheidungen konfrontiert. US-amerikanische Forscher sind daher nun der Frage auf den Grund gegangen, wie dieser Prozess der Beschlussfassung optimiert werden kann. Das Fazit: Wer sich vorstellt, für jemand anderen entscheiden zu müssen statt für sich selbst, kann sich leichter zu medizinischen Maßnahmen überwinden.

Studienleiter Brain Zikmund-Fischer und Kollegen von der University of Michigan, Ann Arbor, ließen 2.399 Teilnehmer in unterschiedliche Rollen schlüpfen. Die Probanden sollten sich in eine von vier Positionen versetzen: In die eines Patienten, in jene eines behandelnden Arztes, in die eines medizinischen Leiters, der mit dem Erstellen von Patienten-Richtlinien betraut ist, sowie in jene eines Elternteils, der für sein Kind entscheiden muss.

Dabei sollten die Teilnehmer in zweierlei Szenarien zu einem Entschluss gelangen: Im ersten Fall ging es um eine imaginierte tödliche Grippe, die zehn Prozent der nicht geimpften Bevölkerung befallen würde. Die Impfung war dabei ihrerseits mit einem fünfprozentigen Sterberisiko verbunden. Im zweiten Fall sollten die Probanden darüber befinden, ob bei einer langsam fortschreitenden Krebserkrankung mit Chemotherapie behandelt werden sollte oder nicht.

Unterlassung aus Angst vor Gefahren

Ziel der Studie war die Beleuchtung eines Phänomens, das als Unterlassungseffekt (omission bias) bekannt ist. Darunter wird die Tendenz verstanden, dass Personen, die mit medizinischen Entscheidungen konfrontiert sind, eher den passiven Weg wählen. Sie geben also der Nicht-Intervention den Vorzug vor aktiven Maßnahmen - aus Angst, dass Letztere ihnen schaden könnten. Damit verzichten sie aber gleichzeitig auf die potenziellen Heilungschancen, welche die Maßnahmen mit sich bringen würden.

In ihrer Untersuchung kamen Zikmund-Fischer und Team nun zu folgendem Resultat: Die Bereitschaft, sich für eine Intervention zu entscheiden, war höher, wenn sich die Befragten als Fachleute sahen denn als Patienten. Im Grippe-Szenario wählten 73 Prozent der "Ärzte" die Impfung, verglichen mit 63 Prozent der "medizinischen Leiter" und 48 Prozent der selbst Betroffenen. Bei der Krebs-Erkrankung entschlossen sich 68 Prozent der "Ärzte" und "medizinischen Leiter" für die Chemotherapie, aber nur 60 Prozent der "Patienten".

Ärzte als Ratgeber und Coach

Unter der Annahme, ein Elternteil zu sein, nahmen 57 Prozent der Befragten für ihr Fantasie-Kind die Grippe-Impfung in Kauf, aber 72 Prozent die Chemotherapie. Daraus schließen die Forscher, dass Eltern dann eher bereit sind, sich für eine aktive Maßnahme zu entscheiden, wenn das Kind bereits krank ist. Wenn es jedoch lediglich um eine vorbeugende Behandlung mit potenziellem Risiko geht, sind sie offenbar zurückhaltender.

Patienten, so das Resümee der Wissenschafter, werde heute ein zunehmend größerer Platz im Entscheidungsprozess eingeräumt. Doch legten die Studienresultate nahe, dass sich die Mediziner nicht zu weit von der Funktion des Ratgebers verabschieden sollten. "Der Arzt kann möglicherweise als Coach fungieren, und dabei helfen, durch den Entscheidungsfindungsprozess zu führen", meint Zikmund-Fischer. Dabei könnten die Ärzte ihrem Patienten etwa raten, sich vorzustellen, die Entscheidung für einen Freund zu treffen, schlägt der Forscher vor.

Quelle: Reuters Health

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