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Globaler Anstieg von Arzneimittel-Fälschungen

Experten sehen Zukunft im Direktvertrieb

28.09.2006

Allein im Jahr 2005 wurden nach Angaben der Food and Drug Administration (FDA) weltweit gefälschte Arzneimittel in einer Höhe von ca. 35 Mrd. Dollar gehandelt. Bis 2010 rechnet das amerikanische Center for Medicines in the Public Interest sogar mit einem Anstieg dieses Volumens auf rund 75 Mrd. Dollar. Auch Europa wird zunehmend davon betroffen. Experten der internationalen Strategie- und Technologieberatung Booz Allen Hamilton sehen die Zukunft des Marktes imDirektvertrieb durch die Pharmahersteller. Dieser kann die Medikamentensicherheit erhöhen sowie die Abhängigkeit vom Pharma-Großhandel reduzieren.

"Während in Europa 2004 noch 43 Fälle von Medikamentenfälschungen bekannt wurden, waren es 2005 bereits 130. Davon schlug allein Viagra mit rund sieben Mio. gefälschter Arzneimittelpackungen zu Buche", so Petzer Behner, Geschäftsführer und Pharmaexperte von Booz Allen Hamilton. "Die Verpackungen der gefälschten Medikamente sind extrem gut, so dass eine Entdeckung meist nur durch Zufall möglich ist", erklärt der Experte. "In Deutschland sind zwar zwischen 1996 und 2002 lediglich 28 Fälle von Arzneimittelfälschungen bekannt geworden. Da jedoch nur ein Bruchteil tatsächlich geprüft wird - von den im Jahr 2004 in Apotheken gehandelten 1,6 Mrd. Packungen lediglich 0,3 Prozent - müssen wir von einer hohen Dunkelziffer ausgehen." Für Europa ermittelt Booz Allen Hamilton bis ins Jahr 2010 eine Verfünffachung der Fälschungsfälle.

"Ohne konsequentes Umsteuern der Industrie ist es nur eine Frage der Zeit, bis es zu schweren gesundheitsschädlichen Zwischenfällen durch gefälschte Medikamente kommt," meint Behner. Seit Öffnung der Grenzen und Handelswege in der EU wird der klassische Weg der Arzneimittelversorgung via Hersteller, Großhändler und Apotheken mehr und mehr durch den so genannten Parallelhandel untergraben. "Parallelhändler lässt", meint Behner. Ein weiteres Problemfeld sei der steigende Internetverkauf, der nutzen die günstigen Arzneimittelpreise anderer europäischer Märkte und reimportieren Medikamente in die verschiedenen regionalen Märkte." Mehr als 140 Mio. Arzneimittelpackungen werden jährlich im Rahmen des Parallelhandels durch die EU transportiert. Manche Arzneimittel gehen dabei durch bis zu 30 verschiedene Hände, ehe sie schließlich zum Patienten gelangen. "Das ist ein großer Unsicherheitsfaktor, der viel Spielraum für den Import von Fälschungen lässt und Mißbräuchen Tür und Tor öffnet. "Das Thema Arzneimittelsicherheit setzt die Pharmaindustrie allerdings zunehmend unter Zugzwang", so der Experte.

Großhändler übernehmen derzeit bei knapp 75 Prozent der Arzneimittel die Distribution. In den vergangenen Jahren haben diese die vertikale Diversifikation in allen Bereichen entlang der Wertschöpfungskette vorangetrieben und damit ihre Marktposition stark ausgebaut. Die Pharmaindustrie bekam diese Entwicklung durch umfangreiche Rabattforderungen von Seiten des Großhandels zu spüren. Ein anderes Problem der Großhändler sei die Tatsache, dass diese bislang nicht gezwungen sind, die Chargenverfolgung bis zur Apotheke zu gewährleisten. "Das hat aber weit reichende Konsequenzen, denn sobald eine einzige Arzneimittelfälschung entdeckt wird, muss sofort der komplette Warenbestand von den Apotheken zurückgerufen werden", erklärt Behner. Der finanzielle Schaden ist enorm und kann zum temporären Versorgungsausfall des betroffenen Medikaments führen. "Wenn es zu einem Unfall kommen würde, wäre der Imageschaden des Herstellers gewaltig." Der materielle Schaden müsse nämlich ausschließlich vom Pharmunternehmen getragen werden.

Der Ausbau des Direktvertriebes würde hingegen sicherstellen, dass die Industrie die Lieferkette der Medikamente von der Herstellung bis zur Auslieferung an die Apotheke besser kontrolliert. Behner geht davon aus, dass die Zukunft "direct distribution" heißt, da die Pharmunternehmen bereits daran arbeiten. "Auch wenn es kaum möglich sein wird, ein Direktvertriebmodell bis in die Apotheke kostendeckend zu gestalten, können die Hersteller in vieler Hinsicht davon profitieren. Sie dürfen nicht länger zusehen, wie ihnen die Kontrolle über die eigenen Produkte und deren Sicherheit entgleitet", meint Behner abschließend.

Quelle: pt

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