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Apotheken im Test : Beratung unzureichend

Tiroler Apotheken im Konsument-Test


23.10.2008

Im Jahr 2006 hat "Konsument" die Beratungsqualität in 30 Wiener Apotheken erstmals unter die Lupe genommen. Das Ergebnis warf kein gutes Licht auf die Branche. Die Apothekerkammer gelobte damals Besserung und wollte das Resultat als Chance zur Weiterentwicklung und Verbesserung nutzen. Jetzt hat "Konsument" erneut 30 Apotheken - zwischen Landeck und Lienz - unter die Lupe genommen. Das Testmagazin schickte eine Mutter mit einem an einer fiebrigen Erkältung leidenden Kleinkind sowie eine übergewichtige Dame, die ihr Gewicht reduzieren möchte, zu zufällig ausgewählten Tiroler Apotheken.

Ernüchterndes Fazit: "Eine Verbesserung konnten wir leider nicht feststellen, sondern eher das Gegenteil: Keine einzige Apotheke erwies sich in beiden Fällen als kompetent", kommentiert Franz Floss, Geschäftsführer des Vereins für Konsumenteninformation (VKI), das Testergebnis. Während immerhin fünf Apotheker die Situation mit der besorgten Mutter "gut" bewältigen konnten, waren beim Thema Abnehmen 29 der 30 getesteten Apotheken der Aufgabe nicht gewachsen. "Statt fachkundig zu beraten, greifen die Apotheker lieber schnell in die Medikamenten-Lade", kritisiert "Konsument"-Gesundheitsexpertin Bärbel Klepp.

Beratung erwünscht

Testperson 1 ist eine besorgte Mutter: Sie gibt an, dass sie mit ihrer zweijährigen Tochter in Tirol auf Besuch ist und das Kind unter Fieber, Schnupfen (klarer Schleim), dickem Hals mit angeschwollenen Lymphknoten und Halsweh leide. Normalerweise habe sie Medikamente dabei (Fiebersenker, Nasentropfen), aber diesmal darauf vergessen. Auf Nachfrage gibt sie weitere Details bekannt, wie etwa, dass das Kind 39 Grad Celsius Fieber hat.
Hauptaugenmerk legten die "Konsument"-Tester auf eine korrekte Erhebung der Krankengeschichte sowie auf eine fachliche Erläuterung zur Anwendung der verkauften Medikamente.

Testperson 2 ist 69 Jahre alt. Sie hat rund 12 Kilogramm Übergewicht (Body-Mass-Index von 29,4) und will abnehmen. Für medizinisch geschultes Personal ist sofort erkennbar, dass ein Präparat zum Abnehmen hier fehl am Platz ist. Die Testperson sollte ihre Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten umstellen und einen Arzt aufsuchen. Zur Abwertung kam es, wenn Präparate zum Abnehmen verkauft wurden.

Schwachpunkt Anamnese

Im Fall des fiebernden Kindes bewältigten gerade mal fünf Apotheker die Aufgabe "gut". Sieben Mal verlief die Beratung "weniger zufriedenstellend", ein Apotheker ist durchgefallen und erntet daher nur ein "nicht zufriedenstellend". Die Mehrheit schneidet "durchschnittlich" ab.

Eindeutiger Schwachpunkt der Apotheker ist die - wenn überhaupt - nur sehr oberflächlich durchgeführte Anamnese. Dies ist aber gerade bei kleinen Patienten problematisch: Eine möglichst genaue Erhebung der Krankengeschichte ist nämlich die Basis dafür, ob der Verkauf von Medikamenten für die Behandlung zu verantworten ist oder zwingend ein Arztbesuch zu erfolgen hat. Auch das Alter des Kindes spielt eine zentrale Rolle: Je jünger das Kind, desto folgenreicher können Erkrankungen verlaufen, zudem sind manche Darreichungsformen für Kleinkinder ungeeignet.

Recht freigiebig zeigten sich die Apotheker bei der Medikamentenabgabe. In 29 der 30 getesteten Apotheken wurde der Testerin mindestens ein Präparat verkauft - bis zu 36,70 Euro gab die Testperson pro Apotheke aus. Nur in der St.-Georg-Apotheke (Neustift) erfolgte kein Verkauf, sondern der Hinweis, rasch einen Kinderarzt aufzusuchen.

29 Mal wanderten rezeptpflichtige fiebersenkende Präparate über den Ladentisch. Das ist zwar in Notfällen gestattet - allerdings ist für die Beurteilung der Situation eine sorgfältige Anamnese unerlässlich. Doch 15 Apotheker erkundigten sich nicht einmal nach der Höhe der Temperatur. "Für uns ist diese Vorgehensweise der Apotheker unverantwortlich", betont Klepp.

Darüber hinaus erkundigte sich nur ein Apotheker nach einer möglichen Medikamentenallergie, knapp die Hälfte gab keine Informationen zur Anwendung des rezeptpflichtigen Präparates. Immerhin: 27 Apotheker rieten der Mutter, trotz Verabreichung der Medikamente, zuhause einen Kinderarzt aufzusuchen.

"Nicht akzeptabel ist der Verkauf von Antibiotika für Kleinkinder ohne Vorliegen eines Rezeptes. Schon gar nicht, wenn der Apotheker sich weder über bisher eingenommene Medikamente informiert, noch Informationen zur Anwendung des Präparates gibt", so Klepp.

Fragwürdige Produkte und Beratung zum Abnehmen

Noch schlechter fiel das Testergebnis beim Thema Abnehmen aus. 29 von 30 Apothekern waren dem Testszenario nicht gewachsen. Die Hälfte der untersuchten Apotheken ist hier durchgefallen, 14 schneiden mit "weniger zufriedenstellend" ab.

Mit Ausnahme der Innsbrucker Solstein-Apotheke, als einzige mit "durchschnittlich" bewertet, haben alle Apotheken der Testerin Präparate verkauft - in einigen wurden sie sogar kommentarlos über den Ladentisch geschoben. "Kein einziger Apotheker empfahl, einen Arzt, Diätologen oder Ernährungswissenschafter aufzusuchen. Nur gelegentlich wurde über die Bedeutung von ausgewogener Ernährung und Bewegung im Zusammenhang mit Übergewicht aufgeklärt", beanstandet Klepp diese Vorgehensweise.

Für die zumeist fragwürdigen Produkte musste die Testperson mitunter tief in die Tasche greifen - bis zu 46,70 Euro pro Apotheke gab sie für die Schlankheitsmittel, Eiweiß-Pulver und Entschlackungstees aus.

Auch Fragen nach vorliegenden Erkrankungen, zur Einnahme von Medikamenten oder ob sich die Testperson in ärztlicher Behandlung befindet, wurden von keinem einzigen Apotheker gestellt. Und das, obwohl die Testperson 69 Jahre alt ist und deutliches Übergewicht aufweist. Einem routinierten Apotheker sollte also klar sein, dass sie bereits an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung oder Diabetes leiden könnte - eine Gewichtsreduktion wäre also nur unter ärztlicher Aufsicht zu verantworten. "Wer sein Gewicht reduzieren möchte, wendet sich besser direkt an einen Ernährungsmediziner, Diätologen oder Ernährungswissenschafter", rät "Konsument"-Gesundheitsexpertin Bärbel Klepp angesichts des Testergebnisses.

Quelle: VKI
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