Herzlich Willkommen!
Schön, dass Sie die neue Webheimat besuchen!
 
 
Schriftgröße:
12345
 
 

Macht Alter Angst ?

Es darf keine Frage des Geldes sein, ob sich jemand ein Leben in Würde bis zuletzt leisten kann.

09.05.2008

Wir alle wollen alt werden. Auch wenn wir Angst haben: vor Pflegebedürftigkeit und Verlust der Selbstbestimmung. Darüber diskutierten diese Woche Dr. Elisabeth Bleyleben-Koren (Erste Bank), Univ.-Prof. Dr. Kurt Kotrschal (Universität Wien) und Dr. Michael Landau (Caritas Wien) mit Prim. Univ.-Prof. Dr. Christoph Gisinger (Haus der Barmherzigkeit) im Rahmen des sechsten DiskussionsFORUM der Betreuungseinrichtung "Haus der Barmherzigkeit".

"Angst vor Krankheit, Einsamkeit und Armut - das sind die Ängste, die österreichische SeniorInnen quälen. Wie kann unsere Gesellschaft - genauer unsere Betreuungseinrichtungen - diesen begegnen?" - Das war die Ausgangsfrage, die Univ.-Prof. Dr. Christoph Gisinger zu Beginn der Podiumsdiskussion stellte. Seiner Erfahrung nach führt das Gefühl der Machtlosigkeit bei PatientInnen zur Angst. Der Verlust von Selbstbestimmung und Macht prägt somit auch den Alltag in Betreuungseinrichtungen für pflegebedürftige Menschen. Die Organisationen müssten bei ihren MitarbeiterInnen Mitleid verhindern, aber das Mitgefühl fördern. Denn der alte, pflegeabhängige Mensch wolle vor allem eines: Zuwendung.

Der Verhaltensforscher Univ.-Prof. Dr. Kurt Kotrschal, Leiter der Konrad-Lorenz-Research-Station weiß, dass soziale Unterstützung Ängste vermindert: "Nett sein zueinander tut dem Wohltäter und dem Empfänger wohl. Diesen Impuls, also die spontane Hilfsreaktion auf ein Signal der Hilfsbedürftigkeit gibt es aber auch bei sozial komplexen Tieren wie den Graugänsen." Ein weiterer positiver Effekt sei, dass altruistisches Handeln stressreduzierend wirkt. Im Arbeitsleben müssen seiner Meinung nach flache Hierarchien und mehr selbständige Bereiche geschaffen werden, um MitarbeiterInnen zu motivieren. Nur das sei ein geeignetes Mittel für ein "längeres und gesünderes Arbeitsleben in der Altenrepublik", das von Gisinger angesichts der Überalterung der Gesellschaft prognostiziert wurde.

Dr. Elisabeth Bleyleben-Koren, stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Erste Bank appellierte, mit alten Menschen so umzugehen, wie jeder es für sich selbst wünscht. Die Topmanagerin findet die demographische Entwicklung in Österreich sehr kritisch. "Von staatlicher Seite muss in nächster Zukunft viel mehr getan werden für die Älteren. Wenn man in Würde altern möchte, muss man sich momentan privat stark engagieren, um wenigstens finanziell keine Sorgen zu haben."

Auch Dr. Michael Landau stößt ins gleiche Horn: "Es darf keine Frage des Geldes sein, ob sich jemand ein Leben in Würde bis zuletzt leisten kann", sagte der Direktor der Caritas Wien. Gemeinsam mit Gisinger forderte er "einen Systemwechsel, weg von der Sozialhilfelogik hin zu einem solidarischen Finanzierungssystem." Kotrschal bezeichnet die derzeitige Abschöpfung des Vermögens von Pflegebedürftigen sogar als "sozialen Wahnsinn. - Wie früher bei den Jägern und Sammlern bekommen alte Menschen das Gefühl, eine Last zu sein. Sie gehen lieber sterben, weil sie Einsamkeit und ökonomischen Druck nicht länger standhalten". Unisono wünschten sich die DiskussionsteilnehmerInnen von der Politik, dass die Rahmenbedingungen für ein würdevolles Altern verbessert werden. Landau wiederholte seine Forderung nach einem Gesamtkonzept für die Betreuung und Pflege in Österreich: mit einheitlichen Qualitäts-, Versorgungs- und Finanzierungsstandards.

Quelle: Haus d. Barmherzigkeit

Persönlicher Bereich:
 
 
Hinweis zur Nutzung von Cookies: Diese Website nutzt Cookies zur Bereitstellung von personalisierten Inhalten, Anzeigen, Inhalten von sozialen Medien und zur Analyse des Benutzerverhaltens. Die mit Hilfe von Cookies gewonnenen Daten werden von uns selbst sowie von uns beauftragten Partnern in den Bereichen soziale Medien, Online-Werbung und Website-Analyse genutzt. Durch den Besuch unserer Website erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. ganzen Hinweis lesen...
Mehr erfahren...