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Alkoholiker verstehen keinen Spaß

Studie untersucht Humorverarbeitung und liefert Therapieansätze

25.01.2007

Alkoholikerverstehen die Pointen von Witzen weniger gut als Gesunde. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des Instituts für Kognitive Neurowissenschaft der Ruhr-Universität Bochum. Kern der Studie ist ein Vergleichsexperiment, bei dem 29 alkoholkranke und gleich viele gesunde Probanden mit unfertigen Witzen konfrontiert wurden. "Werden Alkoholiker aufgefordert, aus einer Auswahl die richtige Pointe zu wählen, so liegen sie oft falsch. Daher kann man von einer verminderten kognitiven Humorverarbeitung sprechen", erläutert Jennifer Uekermann, wissenschaftliche Leiterin der Studie.

Der Versuch zeigte, dass vor allem bei Alkoholikern eine Reihe von kognitiven Störungen bei der Interpretation von Witzen auftraten. Insbesondere bei der Wahrnehmung und Interpretation von emotionalen Gesichtern und Sprache hatten Alkoholkranke wesentlich mehr Probleme als gesunde Testpersonen. "Man nimmt daher an, dass besonders ein stirnseitiger Bereich des Frontallappens der Großhirnrinde für die giftige Wirkung des Alkohols anfällig ist", so Uekermann. Diese Hypothese bestätigte sich auch im Experiment weitgehend.

"Damit wir einen Witz überhaupt verstehen können, benötigen wir die Fähigkeit,uns in die Lage der handelnden Akteure hineinzuversetzen - uns also vorstellen zu können, was in Akteur X vorgeht, wenn er mit Akteur Y spricht oder umgekehrt", meint die Expertin. Diese Fähigkeiten, auch "Theory of Mind" genannt, spielen in der Großhirnrinde eine zentrale Rolle. Erst damit kommt der Witz in seiner Pointe entsprechend zum Ausdruck. Alkoholiker wählten unter den Witze-Enden im Gegensatz zu gesunden Testpersonen seltener die korrekten Pointen aus. Hinzu kommt, dass alkoholkranke Teilnehmer stattdessen eher zu Slapstick-Alternativen und logischen Endungen neigten. Diese beurteilte ein Großteil der Betroffenen jedoch als nicht sehr witzig, wobei die korrekten, lustigsten Pointen ausgespart blieben. Aus diesem Grund geht Uekermann von Beeinträchtigungender affektiven und kognitiven Humorkomponenten bei Alkoholismus aus.

Die Verarbeitung humorvoller Reize ist nicht nur für soziale Beziehungen wichtig, sondern wirkt sich auch direkt auf das Immunsystem sowie die Stressbewältigung aus. Uekermann erklärt, dass die Fähigkeit Humor zu verstehen mit der Entdeckung einer so genannten Inkongruenz einhergeht. Diese ist in ihrer Aufklärung bedeutsam für das Verständnis eines Witzes. Interessant ist, dass die Probleme immer dann auftraten, wenn beide Stufen der Humorverarbeitung nötig waren. Dies weist auf Defizite bei der Humorverarbeitung durch die "Theory of Mind" hin. Auf Nachfrage erachtet die Wissenschaftlerin dieses Wissen vor allem im Kontext von möglichen Therapieansätzen für unabdingbar. "Klappt die Verarbeitung humorvoller Reize nicht oder nur mangelhaft, kann dies auch leichtzu zwischenmenschlichen Problemen führen". Laut Uekermann hilft dieses Wissen bei möglichen Therapien und beim sozialen Umgang mit Alkoholikern. Sie plädiert daher für ein soziales Kompetenztraining für beide Seiten, das Intoleranz und Aggressivität vorbeugen könnte.

Quelle: pt

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