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Expertentagung : Alkohol ist die Volksdroge Nr. 1

Kinder und Berufstätige sind wichtige Zielgruppen bei der Prävention

28.11.2005

"Mit dem Alkohol hat der Mensch eine Essenz gefunden, die imstande ist, Körper und Geist zu beflügeln. Aber auch, ihn in beängstigende Tiefen abstürzen zu lassen - und andere mit ihm zu reißen", mit diesen treffenden Worten eröffnet Präsident Fredy Mayer, erster stellvertretender Vorsitzender des Kuratoriums des Fonds Gesundes Österreich die 7. Österreichische Präventionstagung.

Alkohol gehört in Österreich zum gesellschaftlichen Alltag. Bier, Wein und Schnäpse sind zwar Teil unserer Kultur, allerdings sind die Grenzen zwischen Genuss, Missbrauch und Abhängigkeit oft fließend. Problematischer Alkoholkonsum betrifft alle Lebensbereiche und kann zu zahlreichen körperlichen, seelischen und sozialen Beeinträchtigungen führen. Er zählt zu den wichtigsten Risikofaktoren für Morbidität und Mortalität und ist schon deshalb gesundheitspolitisch höchst relevant. Grund genug für den Fonds Gesundes Österreich, die aktuell in Wien stattfindende Präventionstagung dem Thema Alkohol zu widmen.

Denn auch hierzulande ist Alkohol neben Tabak die Volksdroge Nummer 1: "Einen problematischen Alkoholkonsum haben 21 Prozent der Männer und sieben Prozent der Frauen, also 870.000 Personen", rechnet Univ.-Prof. Prim. Dr. Michael Musalek, Leiter des Anton Proksch Instituts, vor. "Und rund fünf Prozent der Bevölkerung, also 330.000 Menschen, sind als alkoholabhängig einzustufen".

Was häufig unterschätzt wird: Krügel, Achtel & Co sind nicht nur eine Volks-, sondern auch eine regelrechte Todesdroge. Die Lebenserwartung von Alkoholabhängigen ist gegenüber der Durchschnittsbevölkerung um 20 Jahre reduziert. Bis zu 20 Prozent aller Todesfälle gingen in manchen Ländern auf das Konto von mehr oder weniger hochprozentigen Getränken, berichtete das britische Wissenschaftsjournal "Nature". Alkohol löst, so eine andere internationale Studie, weltweit ein ähnliches Maß an Todesfällen oder gesundheitlichen Beeinträchtigungen aus wie Tabak oder Bluthochdruck und wird mit 60 Krankheiten in einen direkten Zusammenhang gebracht, darunter Brustkrebs und koronare Herzerkrankungen.

"Von allen PatientInnen, die in ein Allgemeinkrankenhaus eingewiesen werden, weisen etwa 29 Prozent der Männer und neun Prozent der Frauen eine alkoholassoziierte Erkrankung innerer Organe auf", referiert Prof. Dr. Manfred Singer, Leiter der II. Medizinischen Universitätsklinik in Mannheim, bei der Tagung des Fonds Gesundes Österreich.

Deshalb sei auch größte Vorsicht angebracht, was populäre Meldungen über die angeblich gesundheitsfördernde Wirkung von Alkohol angeht, warnen ExpertInnen bei der aktuellen Konferenz in Wien. "Es ist immer zu bedenken, dass eine moderate Dosis von Alkohol zwar allenfalls gut für die Kardioprotektion sein kann, zugleich aber negative Auswirkungen auf andere Organe hat", so Prof. Singer. "Fest steht, Alkohol ist viel schädlicher als früher angenommen", so der Mannheimer Experte. "Für den Einzelnen kann daher nur die Erkenntnis hilfreich sein: Das Trinken von Alkohol ist selbst in moderaten Mengen mit einem Gesundheitsrisiko verbunden."

"Insgesamt zeigt sich, dass in allen Regionen mit relativ hohem Alkoholkonsum Besteuerung die kosteneffektivste Maßnahme zur Verminderung alkoholbedingter Schäden ist", sagt Prof. Dr. Jürgen Rehm, in Zürich und Toronto tätiger Suchtforscher. In einer im Fachjournal Lancet veröffentlichten Studie rechnete der Forscher gemeinsam mit Kollegen aus Schweden und Kanada vor, dass eine zehnprozentige Verteuerung der britischen Alkoholpreise die Sterblichkeit aufgrund von Zirrhose bei Männern um sieben und bei Frauen um 8,3 Prozent senken würde. Andere Todesfälle, die sich auf Alkohol zurückführen lassen, gehen sogar um knapp 19 Prozent bei Männern und mehr als 37,8 Prozent der Frauen zurück. Allerdings würde die Politik trotz solcher Einsichten oft wenig Mut beweisen, bedauert der Schweizer Experte. "Es scheint so, dass alkoholpolitische Maßnahmen oft umso populärer sind, je weniger wirksam sie sich für die Schadensreduktion erweisen."

SuchtexpertInnen sind jedenfalls alarmiert: Die AlkoholkonsumentInnen werden immer jünger - und sie trinken immer mehr. Ihre ersten Erfahrungen machen die jungen ÖsterreicherInnen heute zwischen dem 11. und dem 13. Lebensjahr. Knapp zehn Prozent der 13Jährigen haben Alkohol schon mehr als 40 Mal konsumiert. 35 Prozent der 15jährigen Schülerinnen und 38 Prozent der gleichaltrigen Schüler in Österreich, so zeigte die internationale Vergleichserhebung der WHO "HBSC", waren schon mindestens zwei Mal betrunken. Nur ein Fünftel der Jugendlichen trinkt nie Alkohol. Damit liegt Österreich im europäischen Spitzenfeld.

Die Haupttrends der Trinkgewohnheiten junger Menschen, so die ExpertInnen: Zunehmende Alkoholerfahrungen von Kindern und besonders risikoreiches Trinkverhalten wie etwa das so genannte Binge Drinking, bei dem Jugendliche bis an ihre körperlichen Grenzen gehen.

"In verschiedenen Studien haben sich vor allem bei Jugendlichen Maßnahmen auf der strukturellen Ebene als besonders effektiv erwiesen, beispielsweise ein Mindest-Kaufalter für Alkohol, eine Begrenzung der Öffnungszeiten von Verkaufsstellen, Besteuerung des Alkohols und verschiedene Maßnahmen im Straßenverkehr", sagt anlässlich der Konferenz in Wien die Soziologin Karin Gasser von der Schweizerischen Fachstelle für Alkohol- und andere Drogenprobleme. "Informations- und Erziehungsstrategien sind eine wichtige Ergänzung zu diesen strukturellen Maßnahmen und erleichtern deren Durchsetzbarkeit und Akzeptanz."

Ein anderer Schwerpunkt der Beratungen bei der Präventionstagung ist das Thema Alkohol am Arbeitsplatz. Ein häufig unterschätztes Problem: Zwischen fünf und zehn Prozent der österreichischen ArbeitnehmerInnen, so zeigen Daten des Anton Proksch Instituts, sind alkoholkrank oder konsumieren Alkohol in einem Ausmaß, das bereits gesundheitsschädigend ist. Alkoholkranke MitarbeiterInnen, so schätzen ExpertInnen, kosten die österreichischen Unternehmen bis zu 2,5 Prozent der Lohnkosten, insgesamt verursacht das Problem Alkohol am Arbeitsplatz der österreichischen Wirtschaft Verluste von mehr als 72 Millionen Euro jährlich.

"Neben den traditionellen innerbetrieblichen Trinksitten zählen Stress und Schichtdienst zu den größten Risikofaktoren für die Entwicklung einer Abhängigkeitserkrankung", weiß Dr. Senta Feselmayer, Leiterin der psychologischen Abteilung des Anton Proksch Instituts, Wien.

Quelle: FGÖ

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