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Steirisches Kürbiskernöl : Wo kommt es wirklich her ?

Neues Kochbuch "Kochen mit Gemüse - Saisonal-Regional-Frisch"

28.05.2009

Das grün-schwarze, nussig-aromatische Kürbiskernöl hat in den letzten Jahren enorm an Beliebtheit gewonnen. Es findet sich in immer mehr Regalen - vom Diskonter bis zum Edelgreißler. Doch ist dort, wo in Grün und Weiß geworben wird, auch tatsächlich Steirisches drin?

Das Testmagazin "Konsument" hat 26 Kernöle, davon elf Bio-Öle, erhoben und zur Herkunft der Kürbiskerne recherchiert. "Echtes steirisches Kürbiskernöl schmeckt großartig und ist zu Recht von der EU anerkannt und geschützt. Doch es zeigt sich, dass nicht in allen Ölen, die mit steirischen Anmutungen werben, auch steirische Kerne enthalten sind - wie der Kunde wohl zu recht vermuten mag. Sogar bei 16 von 26 Produkten ist die Herkunft der Kerne laut Etikett ungewiss", kritisiert Ing. Franz Floss, Leiter des Bereichs Untersuchung und Geschäftsführer des Vereins für Konsumenteninformation (VKI).

Auf Nachfrage nannten einige Hersteller u.a. Ungarn, Rumänien, Russland, Slowenien, Kroatien und China als Einkaufsgebiete. "Konsument"-Ernährungswissenschafterin Mag. Birgit Beck: "Eine Möglichkeit, um sicherzugehen, dass man ein hochwertiges, heimisches Öl erwirbt, ist, auf die blau-gelbe Kennzeichnung ,geschützte geografische Angabe’ (g.g.A) zu achten. Das heißt unter anderem, dass die für das Öl verwendeten Kürbiskerne nur aus bestimmten Gebieten in der Steiermark, in Niederösterreich und im Burgenland stammen dürfen." Fünf der 26 Kernöle sind g.g.A.-Öle.

Auskünfte Mangelware

Kaum ein Flaschenetikett, das nicht in Grün, manchmal auch in Weiß und Grün, den Landesfarben der Steiermark, gehalten ist. Dick aufgetragen wird auch bei den Beschriftungen: "Das grüne Gold aus Österreich", "Originalrezept aus der Steiermark", "in steirischer Tradition" usw. Doch einen Hinweis, woher die Rohware für das Kürbiskernöl eigentlich kommt, sucht man auf den meisten Flaschen vergeblich. Bei 16 von 26 Produkten ist die Herkunft der Kerne laut Etikett fraglich.

Auch auf ausdrückliche schriftliche Nachfrage gaben sich die meisten Hersteller bedeckt. Sieben Produzenten antworteten gar nicht bzw. wollten sich nicht zur Herkunft der Kerne äußern. Von der Rohware für die insgesamt elf Bio-Öle stammt laut Herstellerauskunft etwa die Hälfte aus den Bundesländern Steiermark und Niederösterreich - bei sieben dieser Öle sind auf dem Etikett keine Herkunftsangaben zu finden. Ein Erzeuger nannte Ungarn und Kroatien als Herkunftsländer, ein anderer schrieb vage von "internationalen Anbaugebieten". Dass die Rohware für sein Bio-Öl ausschließlich aus China kommt, wollte nur ein einziger Erzeuger zugeben. Bei den zehn konventionell hergestellten Kernölen wurden von einigen Firmen Ungarn, die Ukraine, Rumänien, Russland, Kroatien oder Slowenien als Einkaufsgebiete genannt. Andere gaben bekannt, dass ihre Kürbiskerne teils aus Österreich, teils aus anderen Ländern bzw. vom internationalen Rohstoffmarkt stammen.

Chinesisch statt steirisch

Informationen aus Insiderkreisen zufolge stammt die Rohware von zwei Drittel der im Lebensmittelhandel vermarkteten Öle aus dem Ausland - hier wiederum zum Großteil aus China. Auf "Konsument"-Nachfrage bekannten sich hingegen lediglich zwei Ölproduzenten zu chinesischen Kernen. Herkunftsland China heißt es vermutlich für das allermeiste Kernöl, das an die Gastronomie ausgeliefert wird. Ebenso vieles, was in die Backwarenindustrie geht und als Kürbiskernbrot oder bestreutes Weckerl im Brotkorb landet.

Auch über die jährlichen Produktionsmengen von Kernöl gibt es keine offiziellen Zahlen. Schätzungen gehen von vier Millionen Litern aus. Um diese Menge zu schaffen, müssten jährlich geschätzte 7.000 bis 9.000 Tonnen Kürbiskerne zusätzlich importiert werden. Zusammen mit den Ungarn stellen dabei die chinesische Produzenten eine immer stärkere Konkurrenz zu den steirischen Kürbisbauern dar - nicht zuletzt aus ökonomischen Gründen, liegt doch der Einkaufspreis 25 bis 50 Prozent unter jenem für inländische Ware.

Qualität hat ihren Preis

Hochwertige inländische Öle (g.g.A.-Öle) haben ihren Preis, schmecken aber auch hervorragend. So legt man bei den erhobenen Produkten dafür rund 15 bis 22 Euro pro Liter hin. Seit 1998 ist steirisches Kürbiskernöl eine von der EU geschützte Regionalmarke. Die Bezeichnung "Steirisches Kürbiskernöl g.g.A." (geschützte geographische Angabe) bedeutet, dass die für das Öl verwendeten Kürbiskerne aus einem geografisch definierten Gebiet stammen (Teile der Steiermark, Niederösterreichs und des Burgenlandes), in einer Ölmühle der Anbaugebiete gepresst werden und dass es sich um ein 100 Prozent reines Kürbiskernöl aus Erstpressung handelt.

Der Preis für die elf erhobenen Bio-Kürbiskernöle - keines davon ist ein g.g.A.-Öl - liegt zwischen 23 und 40 Euro. Die Kerne für diesen noch recht kleinen Markt kommen, falls es sich um österreichische Rohware handelt, überwiegend aus Niederösterreich. Die Hälfte der zehn erhobenen Kürbiskernöle aus konventionellem Anbau ist dagegen bereits um rund zehn bzw. elf Euro pro Liter erhältlich. "Um diesen Preis ist es nur schwer vollstellbar, ein hochwertiges Öl aus heimischen Kernen zu produzieren - gleich was auf den schön gestalteten Flaschen draufstehen mag. Man sollte sich von blumigen Aussagen nicht in die Irre führen lassen und genau auf das Etikett achten", lautet der Rat der "Konsument"-Ernährungswissenschafterin Birgit Beck. Im Sinne größerer Transparenz und Klarheit für die Konsumenten hält Beck aber vor allem eines für wünschenswert: "Eine generelle Herkunftskennzeichnung der Hauptzutaten für Lebensmittel - in diesem Fall der Kürbiskerne."

"Konsument"-Tipps

  • Qualität. Echt steirisches Kernöl ist zähflüssig, dunkel und schmeckt angenehm nussig. Öl von minderer Qualität ist bräunlich und dünnflüssig, die nussige Note fehlt, das Öl schmeckt eher muffig.

  • Ablaufdatum. Ungeöffnet ist Kernöl bis zu einem Jahr haltbar. Eine kürzere Haltbarkeit zeigt, dass das Öl schon lange im Regal steht und möglicherweise bereits Qualitätseinbußen durch Licht und Lagerung erlitten hat.

  • Aufbewahrung. Kernöl zu Hause lichtgeschützt, kühl und dicht verschlossen aufbewahren. Einmal geöffnet hält Kernöl im Kühlschrank zwei bis drei Monate - sollte also zügig verbraucht werden.

  • Kennzeichnung: Die "geschützte geographische Angabe" (g.g.A.) ist Garant für die besondere Herkunft und schonende Verarbeitung des Produktes. Der Großteil dieses Kernöls wird von den Erzeugern direkt vermarktet.

Quelle: VKI

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